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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

Anmeldedatum: 01.04.2010 Beiträge: 258 Wohnort: Wiesbaden
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:35 Titel: Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) |
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Die Welt, die monden ist
Vergiss, vergiss und lass uns jetzt
nur dies erleben,
wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen,
wie der Mond die Gärten
voll übersteigt.
Wir fühlten längst schon,
wie's spiegelnder wird im Dunkeln;
wie ein Schein entsteht,
ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit.
Nun aber lass uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist.
– Rainer Maria Rilke – _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
was unsere Sinne durch den Schleier der Seele von der Natur wahrnehmen.
- Edgar Allan Poe - |
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

Anmeldedatum: 01.04.2010 Beiträge: 258 Wohnort: Wiesbaden
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:36 Titel: |
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Gesang der Frauen an den Dichter
Sieh, wie sich alles auftut: so sind wir;
denn wir sind nichts als solche Seligkeit.
Was Blut und Dunkel war in einem Tier,
das wuchs in uns zur Seele an und schreit
als Seele weiter. Und es schreit nach dir.
Du freilich nimmst es nur in dein Gesicht
als sei es Landschaft: sanft und ohne Gier.
Und darum meinen wir, du bist es nicht,
nach dem es schreit. Und doch, bist du nicht der,
an den wir uns ganz ohne Rest verlören?
Und werden wir in irgend einem mehr?
Mit uns geht das Unendliche vorbei.
Du aber sei, du Mund, dass wir es hören,
du aber, du Uns-Sagender: du sei.
– Rainer Maria Rilke – _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
was unsere Sinne durch den Schleier der Seele von der Natur wahrnehmen.
- Edgar Allan Poe - |
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

Anmeldedatum: 01.04.2010 Beiträge: 258 Wohnort: Wiesbaden
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:37 Titel: |
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Marionetten-Theater
Hinter Stäben, wie Tiere,
türmen sie ihr Getu;
die Stimme ist nicht die ihre,
aber sie ziehn dazu
ihre Arme und Schwerter
ungemein und weit,
(findige Verwerter
dessen was grade schreit.)
Sie haben keine Gelenke
und hängen ein wenig quer
und hölzern im Gehenke,
aber sie können sehr
töten oder tanzen
oder auch im Ganzen
sich verneigen und noch mehr.
Auch pflegen sie kein Erinnern;
Sie machen sich nichts bewusst,
und von ihrem Innern
gebrauchen sie nur die Brust,
um manchmal darauf zu schlagen
als schlügen sie sie ein.
(Sie wissen, dieses Betragen
ist deutlich und allgemein.)
Ihre großen Gesichter
sind ein für alle Mal;
nicht wie die unsern: schlichter,
dringend und ideal;
offen wie beim Erwachen
mitten aus einem Traum.
Das giebt natürlich Lachen
draußen in dem Raum,
aus dem die von den Bänken
sehn wie sich die Puppen kränken
und schrecken und an Schwänken
in Bündeln zu Grunde gehen.
Wenn einer es anders verstände
und säße und lachte nicht:
Ihr einziges Stück verschwände
und sie spielten ihr jüngstes Gericht.
Sie rissen an ihren Schnüren
herein vor die kleinen Coulissen
die Hände von oben, die Hände,
die immer versteckten, entdeckten
häßlichen Hände in Rot:
und stürzten aus allen Türen
und stiegen über die Wände
und schlügen die Hände tot.
- Rainer Maria Rilke - _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
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- Edgar Allan Poe - |
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:38 Titel: |
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Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
- Rainer Maria Rilke - _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:39 Titel: |
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Die Sonette an Orpheus
I.
Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung !
O Orpheus singt ! O hoher Baum im Ohr !
Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung
ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.
Tiere aus Stille drangen aus dem klaren
gelösten Wald von Lager und Genist;
und da ergab sich, daß sie nicht aus List
und nicht aus Angst in sich so leise waren,
sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,
ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, -
da schufst du ihnen Tempel im Gehör.
- Rainer Maria Rilke - _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
was unsere Sinne durch den Schleier der Seele von der Natur wahrnehmen.
- Edgar Allan Poe -
Zuletzt bearbeitet von Beteigeuze am Fr 11 Nov, 2011 23:16, insgesamt 3-mal bearbeitet |
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:40 Titel: |
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Das Märchen von der Wolke
Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone
lag groß der Mond im Kraut am Hang.
Ein Wölkchen wollte davon naschen,
und es gelang ihm, ein paar Zoll
des hellen Rundes zu erhaschen,
rasch kaut es sich die Bäckchen voll.
Es hielt sich lange auf der Flucht auf
und sog sich ganz mit Lichte an; -
da hob die Nacht die goldne Frucht auf:
Schwarz ward die Wolke und zerrann.
– Rainer Maria Rilke – _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

Anmeldedatum: 01.04.2010 Beiträge: 258 Wohnort: Wiesbaden
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:40 Titel: |
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Der Ball
Du Runder, der das Warme aus zwei Händen
im Fliegen, oben, fortgiebt, sorglos wie
sein Eigenes; was in den Gegenständen
nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie,
zu wenig Ding und doch noch Ding genug,
um nicht aus allem draußen Aufgereihten
unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten:
das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug
noch Unentschlossener: der, wenn er steigt,
als hätte er ihn mit hinaufgehoben,
den Wurf entführt und freiläßt -, und sich neigt
und einhält und den Spielenden von oben
auf einmal eine neue Stelle zeigt,
sie ordnend wie zu einer Tanzfigur,
um dann, erwartet und erwünscht von allen,
rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur,
dem Becher hoher Hände zuzufallen.
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

Anmeldedatum: 01.04.2010 Beiträge: 258 Wohnort: Wiesbaden
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:41 Titel: |
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Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen …
Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen,
aus jeder Wendung weht es her: Gedenk!
Ein Tag, an dem wir fremd vorübergingen,
entschließt im künftigen sich zum Geschenk.
Wer rechnet unseren Ertrag? Wer trennt
uns von den alten, den vergangnen Jahren?
Was haben wir seit Anbeginn erfahren,
als dass sich eins im anderen erkennt?
Als dass an uns Gleichgültiges erwarmt?
O Haus, o Wiesenhang, o Abendlicht,
auf einmal bringst du’s beinah zum Gesicht
und stehst an uns, umarmend und umarmt.
Durch alle Wesen reicht der eine Raum:
Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still
durch uns hindurch. O, der ich wachsen will,
ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum.
Ich sorge mich, und in mir steht das Haus.
Ich hüte mich, und in mir ist die Hut.
Geliebter, der ich wurde: an mir ruht
der schönen Schöpfung Bild und weint sich aus
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:41 Titel: |
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… Und sagen sie, das Leben sei ein Traum
... Und sagen sie, das Leben sei ein Traum: das nicht;
nicht Traum allein. Traum ist ein Stück vom Leben.
Ein wirres Stück, in welchem sich Gesicht
und Sein verbeißt und ineinanderflicht
wie goldne Tiere, Königen von Theben
aus ihrem Tod genommen (der zerbricht).
Traum ist Brokat der von dir niederfließt,
Traum ist ein Baum, ein Glanz der geht, ein Laut -;
ein Fühlen, das in dir beginnt und schließt
ist Traum; ein Tier das dir ins Auge schaut
ist Traum; ein Engel welcher dich genießt
ist Traum. Traum ist das Wort, das sanften Falles
in dein Gefühl fällt wie ein Blütenblatt
das dir im Haar bleibt: licht, verwirrt und matt -,
hebst du die Hände auf: auch dann kommt Traum,
kommt in sie wie das Fallen eines Balles -;
fast alles träumt –, du aber trägst das alles.
Du trägst das alles. Und wie trägst du´s schön.
So wie mit deinem Haar damit beladen.
Und aus den Tiefen kommt es, von den Höhn
kommt es zu dir und wird von deinen Gnaden...
Da wo du bist hat nichts umsonst geharrt,
um dich die Dinge nehmen nirgend Schaden,
und mir ist so als hätt ich schon gesehn,
daß Tiere sich in deinen Blicken baden
und trinken deine klare Gegenwart.
Nur wer du bist: das weiß ich nicht. Ich weiß
nur deinen Preis zu singen: Sagenkreis
um eine Seele, Garten um ein Haus,
in dessen Fenstern ich den Himmel sah -,
Und wenn es Nacht ist –: was für große Sterne
müssen sich nicht in diesen Fenstern spiegeln...
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Verfasst am: Fr 02 Apr, 2010 03:42 Titel: |
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Der Tod des Dichters
Er lag. Sein aufgestelltes Antlitz war
bleich und verweigernd in den steilen Kissen,
seitdem die Welt und dieses von-ihr-Wissen,
von seinen Sinnen abgerissen,
zurückfiel an das teilnahmslose Jahr.
Die, so ihn leben sahen, wußten nicht,
wie sehr er Eines war mit allem diesen;
denn Dieses: diese Tiefen, diese Wiesen
und diese Wasser waren sein Gesicht.
O sein Gesicht war diese ganze Weite,
die jetzt noch zu ihm will und um ihn wirbt;
und seine Maske, die nun bang verstirbt,
ist zart und offen wie die Innenseite
von einer Frucht, die an der Luft verdirbt.
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Verfasst am: So 09 Mai, 2010 15:10 Titel: |
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Magie
Aus unbeschreiblicher Verwandlung stammen
solche Gebilde-: Fühl! und glaub!
Wir leidens oft: zu Asche werden Flammen;
doch: in der Kunst: zur Flamme wird der Staub.
Hier ist Magie. In das Bereich des Zaubers
scheint das gemeine Wort hinaufgestuft...
und ist doch wirklich wie der Ruf des Taubers,
der nach der unsichtbaren Taube ruft.
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Verfasst am: So 06 Jun, 2010 00:10 Titel: |
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Auszüge aus Das Buch vom mönchischen Leben
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann -
und ich fasse den plastischen Tag.
Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,
ein jedes Werden stand still.
Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut
kommt jedem das Ding, das er will.
Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
und mal es auf Goldgrund und groß,
und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
löst es die Seele los...
________________________
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
________________________
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.
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Verfasst am: Mo 16 Aug, 2010 14:17 Titel: |
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Gong
Nicht mehr für Ohren...:Klang,
der, wie ein tieferes Ohr,
uns, scheinbar Hörende, hört.
Umkehr der Räume. Entwurf
innerer Welten im Frein...,
Tempel vor ihrer Geburt,
Lösung, gesättigt mit schwer
löslichen Göttern...:Gong!
Summe des Schweigenden, das
sich zu sich selber bekennt,
brausende Einkehr in sich
dessen, das an sich verstummt,
Dauer, aus Ablauf gepreßt,
um-gegossener Stern...Gong!
Du, die man niemals vergißt,
die sich gebar im Verlust,
nichtmehr begriffenes Fest,
Wein an unsichtbarem Mund,
Sturm in der Säule, die trägt,
Wanderers Sturz in den Weg,
unser, an Alles, Verrat...Gong!
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Beteigeuze Sohn Odins - Administrator

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Verfasst am: So 05 Dez, 2010 15:49 Titel: |
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Delphine
Jene Wirklichen, die ihrem Gleichen
überall zu wachsen und zu wohnen
gaben, fühlten an verwandten Zeichen
Gleiche in den aufgelösten Reichen,
die der Gott, mit triefenden Tritonen,
überströmt bisweilen übersteigt;
denn da hatte sich das Tier gezeigt:
anders als die stumme, stumpfgemute
Zucht der Fische, Blut von ihrem Blute
und von fern dem Menschlichen geneigt.
Eine Schar kam, die sich überschlug,
froh, als fühlte sie die Fluten glänzend:
Warme, Zugetane, deren Zug
wie mit Zuversicht die Fahrt bekränzend,
leichtgebunden um den runden Bug
wie um einer Vase Rumpf und Rundung,
selig, sorglos, sicher vor Verwundung,
aufgerichtet, hingerissen, rauschend
und im Tauchen mit den Wellen tauschend
die Trireme heiter weitertrug.
Und der Schiffer nahm den neugewährten
Freund in seine einsame Gefahr
und ersann für ihn, für den Gefährten,
dankbar eine Welt und hielt für wahr,
daß er Töne liebte, Götter, Gärten
und das tiefe, stille Sternenjahr.
– Rainer Maria Rilke – _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
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Verfasst am: Sa 05 Feb, 2011 18:39 Titel: |
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Wilder Rosenbusch
Wie steht er da vor den Verdunkelungen
des Regenabends, jung und rein;
In seinen Ranken schenkend ausgeschwungen
und doch versunken in sein Rose-sein;
Die flachen Blüten, da und dort schon offen,
jegliche ungewollt und ungepflegt:
So, von sich selbst unendlich übertroffen
und unbeschreiblich aus sich selbst erregt,
ruft er den Wandrer, der in abendlicher
Nachdenklichkeit den Weg vorüberkommt:
Oh sieh mich stehn, sieh her, was bin ich sicher
und unbeschützt und habe was mir frommt.
– Rainer Maria Rilke – _________________ Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
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