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Charles Baudelaire (1821 bis 1867)

 
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Sohn Odins - Administrator


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BeitragVerfasst am: Fr 02 Apr, 2010 04:14    Titel: Charles Baudelaire (1821 bis 1867)

Der Albatros


Bisweilen fangen die Matrosen zum Vergnügen
Die großen Albatros', die Vögel auf dem Meer;
Gleichgültig folgen sie dem Schiff in kühnen Flügen,
Das überm bittren Schlund gelassen zieht einher.

Sobald es ihnen glückt, den Raub an Deck zu bringen,
Sind sie, die Herren im Azur, voll Gram und Scham,
Und kläglich schleifen sie die großen weißen Schwingen
Wie Ruder seitlich nach, gebrochen, krank und lahm.

Der König in der Luft ist nun der Matte, Steife!
Und der so herrlich war, ist lächerlich und schwach!
Der eine ärgert ihn mit seiner Tabakspfeife,
Ein andrer ahmt den Flug des Armen hinkend nach!

Der Dichter aber gleicht dem Herrscher ob der Wolke,
Er lacht dem Bogenstrang, er haust im Sturmeswehn;
Jedoch hinabverbannt, inmitten dreistem Volke,
Sein Riesenfittich ihm verwehrt, im Schritt zu gehn.

– Charles Baudelaire –
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Aufgefordert, in aller Kürze den Begriff Kunst zu definieren,
könnte ich ihn nur bezeichnen als die Reproduktion dessen,
was unsere Sinne durch den Schleier der Seele von der Natur wahrnehmen.
- Edgar Allan Poe -
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Apr, 2010 04:14    Titel:

Der Tod der Liebenden


Der Tod ist unser Trost und, ach! auch unser Leben;
Er ist des Lebens Ziel, das wir voll Hoffnung sehn;
Er kann, ein Zaubertrank, berauschen und erheben,
Dass wir mit neuem Mut der Nacht entgegengehn.

Wenn Hagelschauer, Schnee und Stürme uns umgeben,
Ist er das Licht, das wir vom schwarzen Himmel flehn;
Er ist die Herberg, weit berühmt, die wir erstreben,
Weil auch für uns dort Tisch und Bett und Bänke stehn;

Er ist ein Engel, und mit wundersamen Händen
Vermag er uns den Schlaf, den holden Traum zu senden;
Er macht ein Lager dem, der arm und unbekannt;

Er ist der Götter Ruhm der Speicher vieler Spenden,
Er ist des Armen Geld, die Heimat allerenden,
Er ist das offne Tor zum fernen Himmelsland!

– Charles Baudelaire –
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Apr, 2010 04:15    Titel:

An eine die vorüberging


Der wilde Straßenlärm betäubend mich umfing.
In tiefer Trauer, groß und schlank, ein Bild des Leides,
kam eine Frau vorbei und hob den Saum des Kleides
mit zierlich feiner Hand, da sie vorüberging

In elegantem Stolz, ein Marmorbild, das schreitet.
Ich aber trank gebannt und gleichsam wie im Wahn
Aus ihren Augen, wie ein Himmel im Orkan,
Die Süße, die entzückt, die Lust die Tod bereitet.

Ein Blitz ... und wieder Nacht! O, Schönheit, die mir flieht
Und die mit ihrem Blick mich plötzlich neu geboren,
Ob vor der Ewigkeit mein Aug dich wiedersieht?

Vorbei! Zu spät! Vielleicht für immer mir verloren!
Du weißt nicht, wer ich bin, ich weiß nicht, wie du heißt,
O dich hätt ich geliebt, o du, die du es weißt!

– Charles Baudelaire –
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Apr, 2010 04:15    Titel:

Der Vampyr


Du, die gleich einem Messerstich
Tief in mein stöhnend Herz gedrungen;
Du, wie Dämonen fürchterlich,
Von Narrheit, Eitelkeit bezwungen,

Gekommen, um in meinem Sinn
Zu herrschen und sich einzubetten;
– Du Schmach, der ich verhaftet bin,
So wie der Sträfling seinen Ketten,

So wie der Spieler seiner Sucht,
So wie der Trinker seinem Glase,
So wie die Made ihrem Aase,
– Verfluchte, sei von mir verflucht!

Das schnelle Schwert hab ich beschworen,
Dass es die Freiheit mir erzwingt,
Das Gift hab ich umsonst erkoren,
Dass es dem Feigling Hilfe bringt.

Ach, Gift und Schwert mich nur verlachen,
Verächtlich sprechen alle zwei:
“Du bist nicht wert, dich freizumachen
von der verwünschten Sklaverei,

Du Narr! – wenn dich von ihrem Schrecken
Einst auch erlöste unsre Kraft,
Wird deiner Küsse Leidenschaft
Noch deines Vampyrs Leiche wecken!“

– Charles Baudelaire –
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Apr, 2010 04:15    Titel:

Späte Reue


Schläfst, meine dunkle Schöne, einstmals doch
Am Grund des Grabs aus schwarzem Marmorstein,
Dann wird Alkoven dir und Wohnung sein
Die tiefe Grube und das feuchte Loch,

Dann wird der Stein auf deinem Busen lasten
Und den geschmeidig anmutsvollen Lenden,
Des Herzens Schlagen und sein Wollen enden
Und deiner Füße ungezähmtes Hasten,

Dann sagt das Grab - dem ja mein Traum bekannt –
(Denn stets begreift das Grab des Dichters Sinn)
In langer Nacht, daraus der Schlaf verbannt:

"Was nützt dir, unvollkommne Buhlerin,
Dass fremd dir blieb, worum die Toten klagen?"
– Wie Reue werden Würmer an dir nagen.

– Charles Baudelaire –
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BeitragVerfasst am: So 23 Mai, 2010 00:58    Titel:

Entsprechung


Ein Tempel ist Natur, wo jede Säule lebt
und zu uns redet mit geheimnisvollen Zungen;
es ist der Mensch in der Symbole Wald gedrungen,
und auf ihm ruht ihr Blick, der ihn vertraut umschwebt.

Und wie Gesänge, die verhallend in den Lüften
mit ihrem Echo sich vereinen, voll und weit,
unendlich wie das Licht und wie die Dunkelheit
entsprechen Töne sich mit Farben und mit Düften.

Und Düfte gibt es, wie die Jugend klar und kühl,
und grün wie Wiesen, süß wie der Hoboen Singen,
– und üppig andre, wild, gebieterisch und schwül,

die gleich Unendlichem in alle Tiefen dringen,
wie Weihrauch, Benzoe, Muskat und Alambik,
den Sinnen und dem Geist berauschende Musik.

– Charles Baudelaire –
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BeitragVerfasst am: Sa 20 Nov, 2010 03:31    Titel:

Eine Erscheinung


I
Die Finsternis

In den Gewölben unerforschter Trauer,
in die mich das Geschick hinabverbannt,
in die kein froher Lichtstrahl Eingang fand
und wo als Gast der nächtlich bösen Schauer

ich einem Maler gleiche, den zum Scherz
ein Gott verdammt zu malen, ach! im Düstern;
wo ich, als Koch auf grause Speisen lüstern,
dich sieden und verzehren will, mein Herz,

dort funkelt plötzlich auf und wächst und weitet
ein Schattenbild sich voller Reiz und Pracht,
das träumerisch nach Art des Ostens schreitet;

sobald zur vollen Größe es erwacht,
erkenne ich den Geist so schön und flimmernd:
denn Sie ist es! so düster und so schimmernd.


II
Der Duft

Mein Leser, atmetest du schon die Luft
voll Weihrauchwolken, die durch Kirchen schweben,
dem trunkenen Genießen hingegeben,
und eines Kissens alten Moschusduft?

Wenn solche Reize magisch uns erheben,
steigt die Vergangenheit aus ihrer Gruft!
So pflückt man, wenn die Liebe wieder ruft,
die Blumen, die in der Einnrung leben.

Und dem geschmeidigen und schweren Haar,
ein Düftekissen und ein Weihrauchfänger,
entstieg ein Tiergeruch, ein wilder, strenger …

Ihr Kleid, das ganz aus Samt und Seide war,
das ihre reine Jugendfrische hüllte,
ein herber Duft, wie Fellgeruch, erfüllte.


III
Der Rahmen

So wie die Rahmen, die ein Bild umkleiden,
mag es auch noch so schön und kostbar sein,
ihm erst den ganz besondren Reiz verleihn,
indem sie streng von der Natur es scheiden,

so dienten Schmuck und goldne Herrlichkeiten
als Fassung für der Schönheit Edelstein;
nichts trübte mehr den wunderbaren Schein,
umrahmt von schimmernden Geschmeiden.

Bisweilen meinte sie, so schien’s, es sollte
die ganze Menschheit sie nur lieben; tollte
sie nackten Leibes und mit süßer Lust

in Küssen von Damast und weichem Leinen,
so wollte jede Regung unbewusst
wie eines Äffchens zarte Anmut scheinen.


IV
Das Bild

Die Krankheit und der Tod als Schlacken glühen
der großen Feuersbrunst, die uns umfing.
Von diesen Augen, die so zärtlich sprühen,
von diesem Mund, an dem mein Herz verging,

von diesen Küssen – mächtige Befehle –
von der Verzückung lebensvollem Strahl,
was bleibt davon? O schrecklich, meine Seele!
nichts als ein blasses Bild, verwischt und fahl,

das nun gleich mir verdirbt in Einsamkeiten;
die Zeit streift es, ein Greis von schlechter Gunst,
mit rauher Schwinge im Vorübergleiten …

Du Mörder alles Lebens und der Kunst,
du tötest die Erinnerung mir nimmer
an sie, die Lust und Ruhm mir war für immer!

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BeitragVerfasst am: Mi 21 Sep, 2011 22:47    Titel:

Die Katze

I
Durch meines Geistes weite Auen,
als ob sie dort zu Hause sei,
strolcht eine Katze, wild und frei.
Ihr leises, zärtliches Miauen

ist voll verhaltner Leidenschaft;
mag ihre Stimme schmeicheln wollen,
im Wohlgefühl, im Raubtiergrollen,
stets tönt sie reich und rätselhaft.

O diese Stimme, die so leise
mir bis ins tiefste Innre dringt
und wie ein schöner Vers erklingt,
ist stark wie eine Zauberweise.

Sie stillt den Kummer und den Schmerz,
sie nährt ein seliges Entzücken;
sie kann unendlich mich beglücken
und dringt mir wortlos bis ins Herz.

Und keiner Geige süßes Singen
ergreift mein Herz so wunderbar
und bringt so herrlich und so klar
der Seele Saiten zum Erklingen,

als deiner Stimme Sphärenklang,
geliebtes Tier, du seltsam Wesen,
so rein, so strahlend, so erlesen
wie nur der Seraphim Gesang!

II
Ihr gelbes Fell mit braunen Streifen
Durchwühlt ein süßer Duft, der mich
die ganze Nacht berauscht, mag ich
ein einzigmal es streicheln, greifen.

Sie ist des Hauses guter Geist;
Sie richtet, herrscht und schaltet weise
und zieht um jedes Ding die Kreise;
ob man sie Fee, ob Göttin heißt?

Und löst mein Auge sich dann wieder,
das du verführst, magnetisch Tier,
und wendet sich mein Blick von dir
und taucht ins eigne Innre nieder,

So sieht es staunend und gebannt
der runden schimmernden Opale
lebendig leuchtende Fanale,
die mich betrachten unverwandt.

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